Ab und zu höre ich in Diskussionen, Aussagen
die bei mir zu einem Stirnrunzeln führen. Das Thema, dass ich heute
diskutiere gehört dazu:
“Was Kinder bis 7 nicht gelernt haben, lernen
sie nicht mehr!”. Auf Nachfrage bezog sich diese Aussage auf Werte,
folglich sollte der Satz richtig lauten: “Werte, die Kinder bis 7 nicht
gelernt haben, lernen sie nicht mehr”. Angeblich hatte die Person dies
irgendwo gehört oder gelesen; konnte mir allerdings nicht mehr sagen,
wie schade!
Aber: kann diese Aussage stimmen?
Zuerst sollte vielleicht geklärt werden, was Werte sind:
Wertvorstellungen oder kurz
Werte sind Vorstellungen über Eigenschaften (Qualitäten), die
Dingen, Ideen, Beziehungen u. a. m. von Einzelnen (sozialen
Akteuren) oder von sozialen Gruppen von Menschen oder von
einer Gesellschaft beigelegt werden, und die den Wertenden
wichtig und wünschenswert sind. Zu unterscheiden ist zwischen
Werten als Mittel (z. B. Geld, Werkzeug, Gesetze), die ihren
Wert durch ihre Funktion erhalten (äußere Werte) und Werten,
die auf Werterfahrungen beruhen, die sich aufgrund von
verarbeiteten Erlebnissen im Gefühl verankert haben (innere
Werte wie z. B. Freundschaft, Liebe, Gerechtigkeit, Lust,
Glück, Wohlbehagen, Harmonie, Pflichterfüllung, Härte,
Tapferkeit im Kampf, Disziplin).[1][Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wertvorstellung]
Eine weitere Definition lautet:
Werte sind jene Vorstellungen, welche in
einer Gesellschaft allgemein als wünschenswert anerkannt sind und den
Menschen Orientierung verleihen. Man unterscheidet moralische
(Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Treue), religiöse (Gottesfurcht,
Nächstenliebe), politische (Toleranz, Freiheit, Gleichheit),
ästhetische (Kunst, Schönheit) und materielle Werte (Wohlstand),
Familienwerte und Firmenwerte – die wir hier meinen (Cophy,
Philosophie).
[2][Quelle: http://www.karl-schlecht.de/werte/definition-werte.html]
Und noch eine weitere Definition findet sich
hier:
1. Urteile über Sachverhalte, Personen und
Handlungen mit der Eigenschaft der Zustimmung, der Ablehnung oder des
Wünschens. Werte werden bestätigt durch Zustimmung, Toleranz oder
Ablehnung.2. Werte sind lebensorientierend,
handlungsleitend, Gruppen bindend oder trennend.3. Menschen werten in der Regel „komplex”
bzw. erheben eine „Werteart” für sich zur bestimmenden (das tun auch
Theoretiker gern). Es gibt (sehr vereinfacht) verschiedene Arten von
Werten, solche, die sich auf Güter beziehen (nützlich, unnütz), solche
der Logik (wahr, falsch), Moral (gut, böse), Ästhetik (schön,
häßlich), Religion (heilig, weltlich) und der Politik (freundlich,
feindlich).4. Werte sind immer Wertungen: Sie betonen
den Eigenwert versus Fremdwert, den Zeitwert versus Allgemeinwert, die
Greifbarkeit versus Abstraktheit (Verabsolutierung) und in Theorien
darüber unterscheiden sich grundsätzlich Wertrelativismus und
Wertabsolutismus. Dabei sind zwei Befunde wesentlich, nämlich:
Werturteile sagen mehr über das Subjekt als das Objekt; Werte
erscheinen „objektiv” (man/frau wird damit konfrontiert; schon das
Kind: das tut man nicht …).5. Wertungen setzen demzufolge zugleich
öffentliche Zeichen und es gibt eine Symbolik der Moden und Anti-Moden
der Zeit, der Eigentümlichkeiten des Habitus und der Sprache,
einschließlich der Körpersprache, wobei die „feinen Unterschiede” die
groben ablösen. Soziale und politische Bewegungen setzen Symbole
bewußt ein und Kulturbewegungen begründen ein Netz von Symbolen. Ein
Beispiel dafür sind die Kennungen der Freidenker 1900-1930: Bezug auf
Jugendbewegung und „Jugendstil”; Anrede Du, Schillerkragen, Ablehnung
der Rauch- und Genußgifte, Gymnastik, Nacktkultur, Volkstanz,
Volkslied, Übernahme germanischer Feierbräuche, Ausflüge in die Natur,
Bildungsreisen und Gartenbau.6. Werte setzen sich mittels „Objektivierung”
durch: Verwandlung in Normen des Verhaltens in Familie, Beruf,
„Kollektiv”, Staat (Gesetze, Polizei), Medien …7. Kommunikatoren (Pfarrer, Pädagogen,
„Kulturarbeiter” u.a.) überschätzen gewöhnlich ihre Wirksamkeit:
Dominanz des Alltags und der Institutionen. Und (zudem stets sozial
geprägte und „eingezwängte”) Individuen sind nicht nur in den
„Zeitgeist” eingebunden, sondern auf besondere Weise in Milieus und
Erfahrungsgemeinschaften, eine Tatsache, die bei einer humanistischen
Sicht auf Menschen gern vergessen wird, weil man lieber alle Menschen
als Gleiche ansieht. Das sind sie aber real nicht, sondern nur in der
Absicht des Humanismus.[3][Quelle: http://www.horst-groschopp.de/Humanismus/PDF/Werte.pdf]
Dies ist nur eine kleine Auswahl an
Definitionen, die ich gefunden habe! Obwohl die Definitionen einiges
gemeinsam haben, sind sie nicht komplett übereinstimmend. Bezeichnend
ist das [1] von Erfahrungen spricht. [2] teilt Werte in einzelne
Komponenten auf, die “von einer Gesellschaft als Wünschenswert erachtet
werden”. [3] besagt, das Werte “lebensorientierend, handlungsleitend,
Gruppen bindend oder trennend” und spricht von “Verwandlung in Normen
des Verhaltens in Familie, Beruf, „Kollektiv”, Staat (Gesetze, Polizei),
Medien …”.
Ich habe bewusst das bindende Element
“Erfahrung” aus den drei Definitionen herausgesucht, denn meine Antwort
auf die gestellte Frage ist: Nein! Ich glaube nicht, dass ein Kind mit 7
Jahren schon Werte aufgenommen hat, die nicht mehr geändert werden
können.
Wo und wann werden Werte gelernt?
Wertvorstellungen werden von einer
Generation zur nächsten weiter gegeben, von Eltern und Erziehern
an die Kinder. Die Werteüberzeugungen bzw. die Grundlagen für
Werteerlebnisse werden auch im Umgang mit Geschwistern, Lehrern,
Peergruppen oder über mediale Botschaften wie Filme und Bücher
erlernt.
[4] [Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/JUGENDALTER/Jugend-Werte-Leben.shtml]
und
Rückmeldungen, die man aufgrund seines
Verhaltens erfährt, führen ebenso zum Erlernen von bestimmten
Wertvorstellungen.
[4] [Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/JUGENDALTER/Jugend-Werte-Leben.shtml]
weiterhin:
Nach Meinung Jugendlicher werden Werte und
Grundorientierungen vor allem durch die Eltern, Schule sowie durch
Freunde und Bekannte vermittelt. Institutionen (Beruf, Kirche und
Gemeinde) sowie Personen des öffentlichen Lebens nehmen hintere
Plätze ein.
[4] [Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/JUGENDALTER/Jugend-Werte-Leben.shtml]
Zwischen Kindheit und Jugend kommt es zu einer
Veränderung von Werten:
Vor allem im Übergang von der Kindheit zur
Jugend finden Werteveränderungen statt, ein markantes Beispiel ist
die veränderte Bedeutung von Freizeit, sie gewinnt beim Jugendlichen
eine größere Wertschätzung als noch während der Kindheit.
[4]
[Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/JUGENDALTER/Jugend-Werte-Leben.shtml]
Die Veränderung von Werten gestaltet sich ein
Leben lang!
Das ist genau der Punkt. Die Entwicklung der
Motivation, nach moralischen Regeln zu handeln, vollzieht sich
wesentlich langsamer. Es gibt über lange Jahre eine Diskrepanz
zwischen dem Wissen um moralische Regeln und der Fähigkeit, sie im
Handeln umzusetzen. Dieser Prozess hält im Prinzip ein Leben lang an.
Selbst im Erwachsenenalter verändern wir noch unsere moralische
Motivation, zum Beispiel, wenn wir Kinder bekommen. Dann überprüfen
wir unser Tun und Handeln meist noch einmal und fragen uns: „Was ist
mir wirklich wichtig? Welche Werte will ich meinem Kind mitgeben?”
[5]
[Quelle: http://www.familie.de/kind/erziehung/artikel/erziehung-mit-worten-nuetzt-nichts-wie-kinder-werte-lernen/interview-mit-dem-entwicklungspsychologen-prof-krettenauer/
]
Fazit: Werte, die ein Kind bis 7 nicht gelernt
hat, wird es sicherlich später noch lernen (können), falls aus seiner
Perspektive eine Sache oder ein Handeln wertvoll wird…
Bewertung der Quellen:
- [1] Wikipedia:: [***--] 3/5 Ich bin mir nicht
ganz sicher, ob Wikipedia zitierfähig ist. - [2] Karl Schlecht:: [***--] 3/5: Gründer des
mittelständischen Unternehmens Putzmeister. Gründer von mehreren
Stiftungen. - [3] Horst Groschopp:: [**---] 2/5
Kulturwissenschaftler in Berlin. Ich werde aus seiner Homepage nicht
wirklich schlau, was er tut. - [4] Werner Stangl:: [*****] 5/5 Quelle
enthält viele Quellemangaben. Herr Stangl ist Professor für
Psychologie und Pädagogik an der Sozial- und
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Johannes-Kepler-Universität
Linz. - [5] Prof. Krettenauer:: [****-] 4/5 Der
Entwicklungspsychologe Prof. Tobias Krettenauer forscht an der Wilfrid
Laurier University in Ontario/ Kanada über moralische Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen.
Legende zur Quellenbewertung:
[*----]
1/5: Quelle ist in höchstem Maße suspekt.
[**---]
2/5: Quelle ist wahrscheinlich nicht vertrauenswürdig, oder stark
Meinungsgefärbt.
[***--] 3/5:
Quelle kann nicht wirklich bewertet werden.
[****-]
4/5: Quelle ist vertrauenwürdig.
[*****]
5/5: Quelle ist in höchstem Maße vertrauenswürdig.
Hinweis zur Recherche in diesem Artikel: Alle
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Ich habe die Quellen nach bestem Wissen und Gewissen ausgewählt, dennoch
ist eine gewisse Vorsicht geboten. Siehe hierzu auch die Bewertung der
Quellen.
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